Die Website ist ein Archiv für unser Projekt Das Brotbaum·regime.
Ein Archiv ist eine Sammlung.
Wir haben hier Informationen über das Projekt gesammelt.Und Informationen zu unserer Ausstellung.
Außerdem gibt es viele Informationen zu den Themen Wald und Kultur.
Der Umgang mit Mutter Grün
Ann Böttcher (1973, Bruzaholm/Malmö) setzt sich in ihrer Recherche, die den hier gezeigten Arbeiten zugrunde liegt, mit der Produktion einer ikonenhaften Waldvorstellung im Dritten Reich auseinander. Ihren Collagen an die Seite gestellt sind feine Zeichnungen fantastischer Fichten-Charaktere, die so ohne Kontext im leeren Raum zu schweben scheinen, wie die Collagen dicht an Kontext sind. Die Collagen aus Fotografien, Karteikarten, Notizen und Quellentexten präsentieren ein visuelles Archiv nationaler Identität, die durch verschiedene Propagandaverweise auf Landschaftsbilder etabliert wurde: vom Bau der Autobahn als einer Plattform, die das „große Wunder der Natur” erfahrbar mache, bis hin zum Vergleich marschierender Soldaten mit Fichtenforsten. Nationalsozialisten wie der Biologe Walther Schoenichen (1876-1956) schmückten die ideologisierte Naturvorstellung des Regimes in populären Büchern aus, wie etwa in Der Umgang mit Mutter Natur: Ein Sünden- und Sittenbuch für Jedermann (1929), das Böttcher als Titel für die Werkreihe dient.
Ann Böttcher, Der Umgang mit Mutter Grün, 2008
The Forest Army, Zeichnung und Collage
Deutsche Waldbäume und Waldtypen, Zeichnung und Collage
Der Wald an den Strassen des Führers, Zeichnung und Collage
Offizielle Fenster, Collage
Galerie Nordenhake, Berlin

Walther Schoenichen war Biologe und Lehrer. 1915 wurde er Leiter des "Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht" in Berlin. Vor diesem Hintergrund ist auch seine ausgeprägte publizistische Tätigkeit zu sehen. Als Naturschützer war er Quereinsteiger und nicht in der Szene der aktiven Naturschützer verankert. Als Nachfolger von Hugo Conwentz übernahm er 1922 die "Staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege". Er verfolgte den eher musealen, denkmalpflegerischen Naturschutz, den er ideologisch auf völkische Begründungszusammenhänge verengte und rassistisch auflud. Im Mittelpunkt seiner Tätigkeit standen Bildungsmaßnahmen. Er trat nach 1933 für eine Allianz von Naturschutz und Nationalsozialismus ein. Nach Verabschiedung des Reichsnaturschutzgesetzes 1935 wurde er im Jahr 1936 Leiter der neuen "Reichsstelle für Naturschutz". Zwei Jahre später wurde er von dieser Stelle wieder abgesetzt und widmete sich im Anschluss nur noch seiner schriftstellerischen Tätigkeit.